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Cp und Cpk einfach erklärt: Prozessfähigkeit richtig interpretieren

Cp und Cpk gehören zu den wichtigsten Kennzahlen der Prozessfähigkeitsanalyse. Sie zeigen, ob ein stabiler Prozess grundsätzlich das Potenzial besitzt, vorgegebene Spezifikationsgrenzen einzuhalten, und wie sich eine Verschiebung der Prozesslage auf die tatsächliche Fähigkeit auswirkt.

Was bedeutet Prozessfähigkeit?

Die Prozessfähigkeit beschreibt das Verhältnis zwischen der zulässigen Spezifikationsbreite und der natürlichen Streuung eines Prozesses. Die untere und obere Spezifikationsgrenze werden durch Kundenanforderungen, technische Vorgaben oder verbindliche Produktspezifikationen festgelegt. Die Prozessstreuung wird dagegen aus den tatsächlich erhobenen Prozessdaten ermittelt.

Eine Prozessfähigkeitsanalyse ist nur sinnvoll interpretierbar, wenn der Prozess zuvor auf statistische Stabilität untersucht wurde. Ein instabiler Prozess verändert seine Lage oder Streuung unvorhersehbar. Fähigkeitskennzahlen wären unter solchen Bedingungen lediglich eine Momentaufnahme und könnten zu falschen Entscheidungen führen.

GRUNDLAGEN

Die zentralen Begriffe der Prozessfähigkeitsanalyse

Cp, Cpk, Pp und Ppk betrachten unterschiedliche Aspekte desselben Prozesses. Erst ihre gemeinsame Interpretation ergibt ein belastbares Gesamtbild.

01

Spezifikationsgrenzen

Die untere Spezifikationsgrenze USG und die obere Spezifikationsgrenze OSG definieren den Bereich, innerhalb dessen das betrachtete Qualitätsmerkmal liegen muss.

Vorgabe des Kunden

02

Prozessstabilität

Vor der Fähigkeitsanalyse wird geprüft, ob der Prozess ohne auffällige Trends, Sprünge oder andere systematische Einflüsse um eine stabile Prozesslage streut.

Voraussetzung der Analyse

03

Cp

Cp beschreibt die potenzielle Prozessfähigkeit auf Basis der Streuung innerhalb der Teilgruppen. Eine Verschiebung des Prozessmittelwerts wird dabei nicht berücksichtigt.

Potenzial der Prozessstreuung

04

Cpk

Cpk berücksichtigt zusätzlich den Abstand des Prozessmittelwerts zur jeweils näheren Spezifikationsgrenze. Eine ungünstige Prozesslage führt daher zu einem niedrigeren Cpk-Wert.

Potenzial und Prozesslage

05

Pp

Pp bezieht die gesamte beobachtete Prozessstreuung auf die Spezifikationsbreite. Zusätzliche Streueffekte zwischen den Teilgruppen fließen damit in die Kennzahl ein.

Gesamtstreuung des Prozesses

06

Ppk

Ppk verbindet die Gesamtstreuung mit dem Abstand des Prozessmittelwerts zur näheren Spezifikationsgrenze. Die Kennzahl beschreibt damit die insgesamt beobachtete Prozessleistung.

Gesamtleistung und Prozesslage

ENTSCHEIDENDER UNTERSCHIED

Cp bewertet die Streubreite – Cpk zusätzlich die Prozesslage

Ein hoher Cp-Wert allein reicht für eine positive Fähigkeitsbeurteilung nicht aus. Ein Prozess kann sehr gering streuen und deshalb einen hohen Cp-Wert besitzen, gleichzeitig aber deutlich vom geforderten Sollbereich verschoben sein. In diesem Fall fällt der Cpk-Wert erheblich niedriger aus. Erst der Vergleich beider Kennzahlen zeigt, ob das vorhandene Fähigkeitspotenzial auch tatsächlich genutzt wird.

BERECHNUNG

Wie werden Cp, Cpk, Pp und Ppk berechnet?

Allen vier Kennzahlen liegt das Verhältnis zwischen Spezifikationsbreite und Prozessstreuung zugrunde. Der wesentliche Unterschied besteht in der verwendeten Standardabweichung und in der Berücksichtigung der Prozesslage.

Cp

Potenzielle Streufähigkeit

Cp = (OSG − USG) / (6 × σ innerhalb)

Die vollständige Spezifikationsbreite wird mit der Prozessbreite auf Basis der Streuung innerhalb der Teilgruppen verglichen.

Prozesslage nicht enthalten

Cpk

Nähere Spezifikationsgrenze

Cpk = Minimum aus CPU und CPL

CPU betrachtet den Abstand zur oberen und CPL den Abstand zur unteren Spezifikationsgrenze. Der kleinere Wert bestimmt den Cpk.

Prozesslage berücksichtigt

Pp

Gesamte Prozessstreuung

Pp = (OSG − USG) / (6 × s gesamt)

Pp verwendet die Gesamtstandardabweichung und berücksichtigt damit die insgesamt im Datensatz beobachtete Prozessstreuung.

Gesamtstreuung ohne Lage

Ppk

Gesamtleistung des Prozesses

Ppk = Minimum aus PPU und PPL

PPU und PPL verwenden die Gesamtstandardabweichung und den Abstand zur jeweils oberen beziehungsweise unteren Spezifikationsgrenze.

Gesamtstreuung mit Lage

μ

Prozessmittelwert

Der Prozessmittelwert beschreibt die zentrale Lage der beobachteten Prozesswerte. Seine Position zwischen USG und OSG beeinflusst Cpk und Ppk unmittelbar.

Maß der Prozesszentrierung

σ

Standardabweichung

Die Standardabweichung beschreibt die Streuung der Prozesswerte. Je geringer die Streuung bei unveränderten Spezifikationsgrenzen ist, desto höher können die Fähigkeitskennzahlen ausfallen.

Maß der Prozessstreuung

Cp und Cpk gemeinsam interpretieren

Liegt Cp deutlich über Cpk, besitzt der Prozess grundsätzlich ein gutes Streupotenzial, nutzt dieses Potenzial aber wegen einer ungünstigen Prozesslage nicht vollständig aus. Liegen Cp und Cpk dagegen auf einem ähnlichen Niveau, befindet sich der Prozessmittelwert vergleichsweise günstig zwischen den Spezifikationsgrenzen.

Ein Vergleich von Cp und Cpk mit Pp und Ppk liefert zusätzliche Informationen. Liegen Pp und Ppk deutlich niedriger, können zusätzliche Streueffekte zwischen den Teilgruppen vorliegen. In diesem Fall sollte untersucht werden, ob unterschiedliche Produktionsbedingungen, Anlagenzustände, Materialien, Schichten oder andere systematische Einflussgrößen die Gesamtstreuung erhöhen.

PRAXISBEISPIEL

Prozessfähigkeit eines Druckgussprozesses

In einem Druckgussprozess wird die Festigkeit von Skateboardachsen untersucht. Der Kunde fordert einen Sollwert von 400 MPa mit einer unteren Spezifikationsgrenze von 398 MPa und einer oberen Spezifikationsgrenze von 402 MPa.

01

Ausgangsdaten

Der Mittelwert des betrachteten Prozesses liegt bei rund 401,11 MPa. Die Standardabweichung innerhalb der Teilgruppen beträgt rund 0,478 MPa, die Gesamtstandardabweichung rund 0,540 MPa.

Prozess nach oben verschoben

02

Fähigkeitskennzahlen

Für den Prozess ergeben sich ungefähr Cp = 1,39, Cpk = 0,62, Pp = 1,23 und Ppk = 0,55. Im betrachteten Kundenfall wird ein Fähigkeitswert von mindestens 1,33 gefordert.

Kennzahlen gemeinsam betrachten

03

Fachliche Interpretation

Der Cp-Wert zeigt ein grundsätzlich vorhandenes Fähigkeitspotenzial. Die deutlich niedrigeren Werte für Cpk und Ppk belegen jedoch, dass der aktuelle Prozess wegen seiner Lage und Gesamtstreuung die Kundenanforderung nicht zuverlässig erfüllt.

Aktueller Prozess nicht fähig

VERBESSERUNGSANSATZ

Prozess zentrieren und Streueinflüsse reduzieren

Im Praxisbeispiel reicht es nicht aus, ausschließlich auf den Cp-Wert zu schauen. Der Prozess muss auf die gewünschte Prozesslage ausgerichtet und zusätzliche Streueffekte müssen systematisch reduziert werden. Anschließend wird mit neuen Prozessdaten erneut geprüft, ob Stabilität und geforderte Prozessfähigkeit tatsächlich erreicht wurden.

VORGEHENSWEISE

Prozessfähigkeitsanalyse Schritt für Schritt

01

Daten prüfen

Datensatz auf Vollständigkeit, Plausibilität, korrekte Zuordnung der Teilgruppen und mögliche Erfassungsfehler untersuchen.

Datenqualität sicherstellen

02

Deskriptiv analysieren

Mittelwert, Standardabweichung, Minimum, Maximum und weitere Lage- und Streuparameter als ersten Überblick auswerten.

Prozesslage kennenlernen

03

Verteilung beurteilen

Prüfen, ob das gewählte Verteilungsmodell zum Qualitätsmerkmal, zum Prozesswissen und zur vorliegenden Datenlandschaft passt.

Geeignetes Modell wählen

04

Stabilität untersuchen

Mit geeigneten Regelkarten und statistischen Kontrolltests prüfen, ob der Prozess stabil und ohne erkennbare Sonderursachen abläuft.

Stabilität vor Fähigkeit

05

Kennzahlen interpretieren

Cp, Cpk, Pp und Ppk nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Histogramm, Prozesslage, Spezifikationsgrenzen und Prozesswissen bewerten.

Gesamtbild beurteilen

06

Verbesserung bestätigen

Nach Optimierungsmaßnahmen neue Daten erheben und erneut prüfen, ob Prozesslage, Streuung, Stabilität und Fähigkeit nachhaltig verbessert wurden.

Wirksamkeit nachweisen

Typische Fehler bei der Interpretation

Ein häufiger Fehler besteht darin, den Prozess allein anhand des Cp-Wertes als fähig einzustufen. Cp beurteilt die Streubreite, berücksichtigt aber keine ungünstige Lage des Prozessmittelwerts. Ebenso dürfen Spezifikationsgrenzen nicht mit den statistisch aus Prozessdaten berechneten Eingriffsgrenzen verwechselt werden.

Auch ein einzelner Fähigkeitswert sollte nie losgelöst von Prozessstabilität, Verteilungsmodell, Teilgruppenbildung und technischem Prozesswissen bewertet werden. Prozessfähigkeit ist keine reine Softwareausgabe, sondern das Ergebnis einer fachlich strukturierten Gesamtanalyse.

Prozessfähigkeit systematisch erlernen

Im TABTRAINER®-Training wird die vollständige Prozessfähigkeitsanalyse anhand eines durchgängigen Druckgussbeispiels durchgeführt. Behandelt werden die erforderlichen Vorprüfungen, Prozessstabilität, Cp, Cpk, Pp, Ppk, die Interpretation des Analyseberichts sowie die Bewertung konkreter Verbesserungsmaßnahmen.

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